Die am 21.02.2026 in den Salzburger Nachrichten veröffentlichten Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche im Land Salzburg und das Zurückstellen der von der Landesregierung geplanten Informationskampagne lassen uns als Salzburger Ärzteforum für das Leben aufhorchen:
Jährlich finden 700 – 900 Schwangerschaftsabbrüche im Land Salzburg statt – das entspricht 28 – 36 Schulklassen à 25 Kindern. Seit Bestehen der Gynmed-Ambulanz wurden insgesamt zwischen 15.000 und 20.000 Abtreibungen durchgeführt.
Grundsätzlich positiv zu bewerten ist, dass die Zahlen und Beweggründe inzwischen systematisch erfasst werden. Diese Transparenz ist ein wichtiger Schritt, um die Situation besser zu verstehen und daraus sinnvolle Maßnahmen abzuleiten.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und erfordern eine differenzierte und konsequente Auseinandersetzung mit folgenden zwei Fragen:
- Wie kann dazu beigetragen werden, dass möglichst viele dieser jährlich 700-900 (überdies allermeist völlig gesunden) Kinder das Licht der Welt erblicken und leben dürfen?
- Wie können Frauen / Paare in Schwangerschaftskonfliktsituation bestmöglich unterstützt werden?
Aufgrund der Komplexität der Thematik gibt es hierzu keine einfachen Patentrezepte und nicht nur eine einzige Antwort. Eine lösungsorientierte Auseinandersetzung der Salzburger Landespolitik mit diesen so wichtigen und – angesichts einer sich zuspitzenden demographischen Schieflage – auch folgenschweren Fragen darf nicht dem Sparstift zum Opfer fallen.
Die Petition der Initiative #fairändern hat genau diese Aspekte aufgegriffen und konkrete Vorschläge eingebracht. Wir zollen dem Mut der Initiatorin Respekt, die sich als ehemals von einem Schwangerschaftskonflikt und -abbruch Betroffene öffentlich in diesem Bereich engagiert und sich für andere ebenso betroffene Frauen einsetzt. Die Ansätze der Petition sollten ernst genommen und nicht weggewischt werden.
Als Ärztinnen und Ärzte in verschiedenen Fachbereichen haben wir seit vielen Jahren mit Menschen in besonders sensiblen Lebensphasen zu tun. In unserer täglichen Arbeit erleben wir, wie wichtig umfassende Information, persönliche Begleitung und konkrete Unterstützung sind, wenn sich Patienten/-innen und auch deren Angehörige in Situationen schwerwiegender Entscheidungen, Hilf- und Ratlosigkeit oder gar Verzweiflung befinden.
Seit über 20 Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit medizinethischen Fragestellungen, haben uns persönlich in vielfacher Hinsicht auf diesem Gebiet weitergebildet und versuchen gleichzeitig, allen Berufsgruppen in der Medizin durch die Organisation professioneller bio- und medizinethischer Veranstaltungen – wie den Salzburger Bioethik-Dialogen – Fortbildung auf hohem Niveau zu ermöglichen.
Seit der Gründung des Ärzteforums 2004 bemühen wir uns um eine intensive Kooperation und den Austausch mit anderen Organisationen wie z.B. Aktion Leben, die professionelle Arbeit in der Betreuung von Frauen / Paaren in Schwangerschaftskonflikten leisten.
Kurzum: Wir sind mit der Materie, der Realität und den Herausforderungen des Lebens sehr gut vertraut.
Frauen und Paare in Schwangerschaftskonfliktsituation haben es verdient, eine umfassende Aufklärung und professionelle Beratung wie auch konkrete Hilfsangebote zu erhalten, um wirklich frei die für sie und ihr Kind beste Entscheidung treffen zu können. Hier ist nach wie vor noch viel zu tun.
JA – wir stimmen Herrn Dr. Fiala, dem Leiter der Gynmed-Ambulanz zu, dass es viel mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit in unserer Gesellschaft braucht. Aus seiner Sicht als Experte und Lobbyist für Verhütung und Abtreibung besteht diese allerdings vorrangig in kostenloser Verhütung, rezeptfreiem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch oder Ausweitung des niederschwelligen Abtreibungsangebots mit Finanzierung durch die Krankenkassen. Diesen Ansatz teilen wir jedoch nicht. Will man den Betroffenen wirklich helfen, so bedarf es unserer Meinung eines ganzheitlicheren, viel breiteren und vor allem auch lebensbefürwortenden Ansatzes.
Wir begrüßen ausdrücklich das im Regierungsprogramm der Salzburger Landesregierung formulierte Ziel, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren und gleichzeitig Frauen bestmöglich zu unterstützen und fordern die Salzburger Landesregierung auf, dieses nicht aus den Augen zu verlieren, sondern konkrete, nachhaltige Schritte zu setzen.
Als Salzburger Ärzteforum bringen wir gerne unsere langjährige medizinische und ethische Erfahrung in einen konstruktiven Dialog ein und stehen jederzeit zur Verfügung, um an tragfähigen Lösungen für unser Bundesland mitzuwirken.
Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, für Frauen, Paare und Familien in Salzburg Rahmenbedingungen zu schaffen, die Zuversicht, Perspektiven und Hilfe bieten und so gleichzeitig auch der Verantwortung gegenüber ungeborenen Menschen Rechnung zu tragen.
