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Öffentliche Erklärung zur Abtreibungsfrage im Land Salzburg vom Jänner 2010

Veröffentlicht von Matthias Wittmann in Pressespiegel am 27. Januar 2010

Zweifelsohne stehen Frauen, die sich zu einer Abtreibung entschließen, unter enormen Druck. Diese zu verurteilen widerspricht jeglicher Menschlichkeit und Ethik! Aufgrund unserer Erfahrungen aus vielen Gesprächen mit ehemals Betroffenen sind wir jedoch überzeugt, dass ein Schwangerschaftsabbruch in den allermeisten Fällen die schlechteste Lösung darstellt: Zahlreiche Frauen leiden im Nachhinein unter zum Teil schwerwiegenden und langfristigen psychosomatischen Folgeerkrankungen. Wie vielen Frauen könnte durch eine rechtzeitig angebotene, professionelle, lebensbejahende Beratung und Begleitung sehr viel Leid erspart bleiben, wenn in der oft ausweglos scheinenden Situation ein greifbares Angebot vorhanden wäre, gemeinsam eine Perspektive für ein Leben mit Kind zu erarbeiten und zu verwirklichen. In diesem Bereich mangelt es landesweit – trotz der Lippenbekenntnisse derer, die “flankierende Maßnahmen“ seit 25 Jahren versprechen – nach wie vor enorm. Es ist Aufgabe der Politik, diese seit Jahrzehnten versprochenen Rahmenbedingungen endlich auch zu schaffen !

Das „Salzburger Ärzteforum für das Leben“ betrachtet die im April 2005 erfolgte Einrichtung der Abtreibungsambulanz in den Salzburger Landeskliniken weder als medizinische, noch als gesellschaftspolitische Errungenschaft. Weite Teile der Salzburger Ärzteschaft stehen diesem „Angebot“ äußerst kritisch gegenüber. Denn durch die Möglichkeit leicht zugänglicher, kostengünstiger Abtreibungen alleine scheinen nur oberflächlich betrachtet, die Probleme gelöst.

Es ist vielmehr notwendig, in den Bemühungen um die Verbesserung der Situation für betroffene Frauen / Paare klar zu berücksichtigen, dass die „Behandlung“ von Frauen in der Abtreibungsambulanz eben nicht einen herkömmlichen medizinischen Eingriff darstellt: Bei diesem Eingriff stirbt – ob man es wahrhaben will oder nicht – jedes Mal ein Mensch in seinen ersten Lebenswochen. Diese tragische Tatsache offen auszusprechen ist eine Frage korrekter, ehrlicher Aufklärung und ethischer Verpflichtung. Wenngleich in der Diskussion dieses Faktum oftmals negiert wird, ist es offensichtlich doch unterbewusst tief verwurzelt – wie sonst könnte man sich den äußerst emotionalen Zugang und zum Teil unsachlichen Argumentationsstil erklären?

Angesichts der tragischer Weise extrem hohen Abtreibungsquote – seit der Eröffnung der Gynmed-Ambulanz in Salzburg gab es hier vermutlich ca. 4000 Abtreibungen (das entspricht etwa 160 Schulklassen !) – stellt die Tatsache, dass in Österreich etwa jedes dritte lebensfähig gezeugte Kind abgetrieben und nicht geboren wird, auch mehr und mehr ein demographisches Problem dar. Dieser Problematik muss sich die Politik jetzt stellen und klare Strategien für eine Trendwende erarbeiten! Dass dies bei entsprechendem politischen Willen möglich ist, beweisen Länder wie Frankreich mit einer Geburtenrate von über 2 Kindern / Frau.

Die erschreckend hohen Abtreibungszahl in Österreich können wir nicht als Zeichen einer erfolgreichen Frauenpolitik werten, sondern vielmehr als Indikator der Erfolglosigkeit österreichischer Sozial-, Familien-, Gesundheits- und auch Frauenpolitik. Die „Gynmed-Ambulanz“ vor diesem Hintergrund als „herausragende frauenpolitische Errungenschaft“ für den Troll-Borostyani-Preis vorzuschlagen, zeugt von mangelnder ethischer Verantwortung, fehlender Sensibilität und gesellschaftspolitischer Perspektivenlosigkeit.

Das „Salzburger Ärzteforum für das Leben“ fordert zum einen eine österreichweite, verpflichtende und umfassende Abtreibungsstatistik, eine gesetzlich festgelegte Bedenkzeit von 7 Tagen zwischen Beratungs- bzw. ärztlichem Aufklärungsgespräch und der Durchführung der Abtreibung, eine Beendigung der Diskriminierung Behinderter durch straffreie Abtreibungen aus „eugenischer Indikation“ jenseits der 12. Schwangerschaftswoche, zum anderen einen landesweiten Schulterschluss und forcierte gemeinsame Bemühungen aller politischen, medizinischen, religiösen und gesellschaftlichen Verant-wortungsträger zur Verbesserung der Beratung, Hilfe und Betreuung von unerwartet bzw. ungewollt Schwangeren Frauen im Land Salzburg.

Dr. Florian Baumgartner
für das „Salzburger Ärzteforum für das Leben“


Das „Salzburger Ärzteforum für das Leben“ ist eine unabhängige, überparteiliche, überkonfessionelle Initiative. Es wurde im Jahr 2004 gegründet und wird mittlerweile von 340 Salzburger Ärztinnen und Ärzten aus allen Fachbereichen der Medizin unterstützt. Als Ärzte, die sich dem Hippokratischen Eid verpflichtet fühlen, wollen wir dem Leben dienen und können selbst keine Schritte gegen dieses setzen. Ausgehend von diesem Verständnis unseres Berufsethos eint uns die Sorge um die zunehmende Bedrohung menschlichen Lebens in unserer Gesellschaft. Wir sehen unter anderem darin unsere ärztliche Berufung und Verantwortung, dieses Leben von Beginn bis zu seinem natürlichen Ende zu schützen und diese Meinung auch öffentlich zu artikulieren.

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