Salzburger Ärzteforum für das Leben - eine Initiative für den Schutz des Lebens vom Anfang bis zu seinem natürlichen Ende

   

Hartheim – Mahnung und Verpflichtung

Hartheim, 20. bis 22. April 2007

Vom 20. bis 22. April 2007 fand in Schloss Hartheim die „1. Internationale Hartheim-Konferenz“ zum Thema: „ Sinn und Schuldigkeit – Fragen zum Lebensende“ statt.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass es sich um die Erste Internationale Hartheim-Konferenz handle und sprach offen die Hoffnung aus, dass eine Reihe von Veranstaltungen rund um das Thema „Gesellschaft und Ethik“ folgen möge.

Bereits die Anwesenheit und empathische Zuwendung des Landeshauptmannes Dr. Pühringer ist bezeichnend für das gesellschaftpolitische Interesse am Thema Euthanasie.

Welcher Ort wäre zur Reflexion dieses Themas besser geeignet als Schloss Hartheim? Simon Wiesenthal bezeichnete Schloss Hartheim als die „Mörderschule des Dritten Reiches“. Dieses Gebäude, das einst den Barmherzigen Schwestern anvertraut worden war, wurde im Dritten Reich zur Gaskammer für ca. 30.000 Menschen, zunächst Behinderte aus allen Teilen des „Deutschen Reiches“, dann Häftlinge aus Konzentrationslagern wie Dachau und Mauthausen, die dort aus „Kapazitätsgründen“ nicht in den Gas-Tod geschickt werden konnten.

Der gesellschaftspolitische Konsens in Europa über die Ablehnung der Euthanasie wird brüchig. In den Niederlanden und Belgien ist das Töten von unheilbar kranken, immer mehr aber auch lebensunwilligen Menschen durch Ärzte akzeptierte Praxis. Leider wird dieses Vorgehen immer häufiger auch auf Menschen angewandt, die zuvor aus angeblich humanitären Beweggründen nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden. Die mutmassliche Einschätzung von Verwandten ersetzt den Patientenwillen – ein gefährlicher Weg. Darüber kann auch eine aktive Hospiz- und Palliativbewegung in diesen Ländern nicht hinwegtäuschen.

Noch besteht in Österreich ein breiter gesellschaftspolitischer Konsens über das Verbot aktiver Euthanasie. Abgesehen davon wird allerdings die gesellschaftlich stillschweigend goutierte Praxis der Tötung von unbehinderten und behinderten Menschen im Mutterleib erfolgreich verdrängt.

Professor Manfred Lütz, Psychiater aus Deutschland und Referent eines höchst geistreichen Vortrags am Eröffnungstag der Hartheim-Konferenz, erinnerte daran, dass die Euthanasie keineswegs eine „Erfindung“ der Nationalsozialisten gewesen sei, sondern im Jahre 1922 von deutschen Ärzten propagiert und wissenschaftlich untersucht worden war – eine wohlfeile Mörderideologie aus der Hand von Menschen, die sich damals vor Beginn ihrer Berufstätigkeit noch offen zum Hippokratischen Eid bekennen mussten.

Dieser geschichtliche Rückblick zeigt auf erschreckende Weise, wie Wissenschaft, gesellschaftliche Bedingungen und Ideologie im Falle eines unglücklichen Zusammentreffens eine todbringende Kettenreaktion auslösen können – jederzeit.

Hartheim mahnt, beschämt und verpflichtet uns, die wir heute als Ärzte tätig sind, die uns anvertrauten Menschen vor einer, wie auch immer gearteten, Wertung ihres Lebens zu schützen. Wir dürfen und sollen diese Verpflichtung auch immer wieder aufs Neue in gesellschaftspolitische Diskussionen hineintragen. Das sind wir unseren Patienten schuldig.

Näheres zu Schloss Hartheim und der „1. Internationalen Hartheim-Konferenz“ finden Sie unter www.schloss-hartheim.at.


Dr. Ursula-Maria Fürst
für das Salzburger Ärzteforum für das Leben




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