Salzburger Ärzteforum für das Leben - eine Initiative für den Schutz des Lebens vom Anfang bis zu seinem natürlichen Ende

   

Öffentliche Erklärung zur Eröffnung des
„Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ in Wien

Salzburg, 19.3.2007

Das neu eröffnete „Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ in Wien präsentiert seine Inhalte auch unter der entsprechenden homepage (www.muvs.at). Diese haben wir einer kritischen Überprüfung aus ärztlich-ethischer Sicht unterzogen: Gerade die Darstellung zum Themenkomplex „Abbruch“ geht völlig an der Realität vorbei:

  1. Mit keinem Wort (oder Bild) wird das Faktum erwähnt, dass es sich bei einem Schwangerschaftsabbruch nicht nur um die Frage der optimalen Durchführung eines operativen Eingriffes handeln kann, sondern vielmehr dass das Ziel dieses Eingriffes die Beseitigung eines menschlicher Embryos in seinen ersten Lebenswochen- und Monaten ist. Zu negieren, dass es sich also bei jeder Abtreibung – egal in welcher Schwangerschaftswoche – um die Tötung eines Menschen handelt, zeugt entweder von Unwissenheit oder Ignoranz. Offensichtlich sollen Besucher dieses Museums über eben diesen entscheidenden Punkt ganz bewusst im Unklaren gelassen werden, um diese Unwissenheit in der Bevölkerung zu fördern.
  2. Die Tatsache, dass Schwangerschaftsabbrüche in der gesamten Menschheitsgeschichte stattgefunden haben und die großteils verheerenden medizinischen und hygienischen Umstände fatale Folgen für die betroffenen Frauen haben konnten, ist unbestritten. Allerdings rechtfertigt aus ärztlich-ethischer Sicht der Umstand alleine, dass Abtreibungen zu allen Zeiten und in allen Kulturen schon stattfanden, nicht, unkritisch auf eine ethische Reflexion und Neubewertung zu verzichten: Beispielsweise war auch die Todesstrafe in allen Zeiten der Geschichte in so gut wie allen Hochkulturen Teil des traditionellen Rechtsvollzugs – dennoch erscheint diese „Tradition“ nun vielen Menschen in der westlichen Welt unethisch und menschenunwürdig. Dieser Einschätzung schließt sich auch das „Salzburger Ärzteforum für das Leben“ absolut an.

    Wäre es nicht eine der größten ethischen Herausforderungen und Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft, durch die Schaffung einer lebensbefürwortenden gesellschaftspolitischen Grundhaltung und entsprechend optimaler Rahmenbedingungen, möglichst vielen Frauen zu ermöglichen, „Ja“ zu einem ungeplant entstandenen Kind sagen zu können.
  3. In diesem Zusammenhang erinnern wir an die politischen Versprechungen, welche bei der Einführung der Fristenregelung in Österreich von deren Befürwortern (und der damaligen Regierung Kreisky) abgelegt wurden: Die Rahmenbedingungen würden parallel zur Einführung der Fristenlösung soweit für betroffene Frauen optimiert werden, dass immer weniger Frauen von dieser Gebrauch machen müssten.

    Die Zahlen sprechen leider eine genau gegenteilige Sprache – die Schwangerschaftsabbrüche haben sich seither in Österreich vervielfacht! Die Geschichte der Abtreibung in Österreich ernsthaft dokumentieren zu wollen, heißt auch, diese Tatsachen zu berücksichtigen und zu erwähnen!
  4. Auch die „moderne“ Abtreibung unter korrekten medizinischen und hygienischen Verhältnissen ist für die allermeisten Frauen wesentlich mehr als ein bloßer medizinischer Eingriff: Viele Frauen / Paare leiden – unter Umständen auch Jahre nach einem Schwangerschaftsabbruch – unter zum Teil gravierenden psychsomatischen Folgen (post-abortion syndrome oder kurz PAS) und benötigen intensive Hilfe und Therapien. Dass dieser Aspekt von Schwangerschaftsabbrüchen mit keinem Wort erwähnt, sondern lediglich der scheinbare „Segen“ der jetzigen Abtreibungsmöglichkeiten  betont wird, ist eine massive Verharmlosung von Tatsachen und eine bewusste Verzerrung der Realität. Eine Vielzahl an betroffenen Frauen könnten hier als „Zeitzeuginnen“ über ihr Leid berichten.
  5. Gewiss steckt der menschlichen Sexualität und Fruchtbarkeit eine „ungeheure Kraft“ inne (Zitat Dr. Fiala) – eine Kraft, Leben zu erzeugen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität schließt jedoch keineswegs aus, das einmal entstandene menschliche Leben in seiner Würde und seinen resultierenden Grundrechten uneingeschränkt zu respektieren, sondern beinhaltet dies gerade.
  6. In einer Zeit der sich zuspitzenden Demographie, scheint sich das ungewollt gezeugte Kind geradezu zu einem Feindbild etabliert zu haben: Einerseits  soll das Recht auf Würde und Schutz  im Mutterleib dem Ungeborenen mit der Argumentation abgesprochen werden, dass es sich dabei ja noch um keinen Menschen handle, sondern sich der Embryo erst zu einem Menschen schrittweise entwickle. Andererseits scheint der wissenschaftliche Erfindungsreichtum schier unbegrenzt zu sein, wenn es gilt, Schwangerschaften so sicher wie möglich zu verhindern. Unerwähnt bleibt dabei jedoch oft – und so auch in dieser homepage – dass gerade hormonelle  Verhütungsmethoden auch gravierende Nebenwirkungen haben können, da es sich um potente Medikamente handelt. Von einer verantwortungsvollen Aufklärung würde man sich wohl auch die kritische Berücksichtigung dieser Aspekte erwarten können.
  7. Das neu gegründete „Museum“ ist wohl nicht nur aus oben genannten Gründen kaum  als objektive Institution einzustufen. Die Tatsache, dass die Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zu einer der größten Abtreibungskliniken Österreichs liegen und der Mitbegründer dieser Ausstellung auch gleichzeitig ärztlicher Leiter dieses Ambulatoriums ist, erklärt die Befangenheit der „Museums“-Initiatoren, welche sich inhaltlich widerspiegelt.

Dr. Florian Baumgartner
für das Salzburger Ärzteforum für das Leben



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