Öffentlicher Brief an Ing. Richard Lugner
Salzburg, 18.01.2007
Sehr geehrter Herr Ing. Lugner !
Mit großer Befremdung haben wir von der Eröffnung des Zentrums für Sexualmedizin „Venus Med“ in Ihrem Einkaufszentrum „Lugner City“ in Wien erfahren, in dem fortan Abtreibungen durchgeführt werden sollen. Laut Angaben der Geschäftsführung von „Venus Med“ stellen Schwangerschaftsabbrüche einen von drei wesentlichen Bereichen des Angebotes dar.
Vielleicht ist Ihnen nicht bekannt, dass in Österreich einer jährlichen Geburtenrate von ca. 80.000 Kindern pro Jahr (Tendenz sinkend) nach seriösen Schätzungen etwa 30.000 - 80.000 Abtreibungen gegenüber stehen. Es handelt sich dabei in der absoluten Mehrzahl um gesunde Kinder, deren Leben in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten im Mutterleib beendet wird. Gespräche mit betroffenen Frauen haben gezeigt, dass vielfach die Perspektiven- und Hilflosigkeit in der Situation einer ungewollten und unerwarteten Schwangerschaft zum raschen Entschluss führt, diese zu beenden. Oft wird den betroffenen Frauen erst im Nachhinein die Tragweite der mittlerweile unumkehrbaren Entscheidung bewusst: Psychosomatische Folgeerkrankungen verschiedenster Ausprägung (in der Fachliteratur als Post-abortion-Syndrom (PAS) bezeichnet) treten in über 50% der Fälle auf unter Umständen auch noch nach Jahren!
Oberflächlich betrachtet scheint das erleichterte, flächendeckende Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen Frauen / Paaren in Not zu helfen tatsächliche, langfristige Hilfe besteht jedoch vor allem in einer lebensbejahenden Beratung, einem umfassenden Hilfs- und Unterstützungsangebot und vor allem der Bereitschaft, gemeinsam eine Perspektive für ein Leben mit Kind zu erarbeiten.
Kinder ob geboren oder ungeboren sind weder Konsumgüter noch Schadensfälle, sondern vielmehr Lebewesen, denen von ihrer Zeugung an menschliche Würde innewohnt und denen auch alle menschlichen Rechte zustehen. Dies gilt zu allererst für das Grundrecht auf Leben. Dem trägt der österreichische Gesetzgeber auch Rechnung, indem er den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich als strafrechtliches Delikt definiert (StGB §96), das lediglich unter bestimmten Bedingungen (Fristenregelung, eugenische und medizinische Indikation; StGB §97) unter Straffreiheit gestellt wird. Ungeborene sind nach österreichischem Recht also grundsätzlich schützenswert!
Scheinbar hat die unfassbar hohe Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen zum Einen dazu geführt, dass in der öffentlichen Diskussion die Realität einer Abtreibung verniedlicht dargestellt und damit in weiten Teilen der Bevölkerung die Tötung des Ungeborenen als Bagatelle angesehen wird. Zum Anderen scheint es sich offensichtlich um ein äußerst lukratives Geschäft zu handeln. Als in der Öffentlichkeit immer wieder präsente Persönlichkeit, die ein mediales Echo hervorzurufen bemüht ist, wäre es wünschenswert, dass Sie sich einerseits Ihrer Verantwortung im Sinne der öffentlichen Meinungsbildung, andererseits auch der Frage der ethischen Optik bewusst sind.
Für uns als Ärzte ist die öffentliche Signalwirkung, dass Schwangerschaftsabbrüche eine harmlose und schnell zugängliche Dienstleistung in einem Shoppingcenter seien, durch die Einrichtung dieser Abtreibungsstelle in Ihrem Einkaufszentrum untragbar und unverantwortlich. Dem Wert des ungeborenen Kindes wird dabei ebensowenig Rechnung getragen wie der gesellschaftlichen Verantwortung, betroffenen Frauen langfristig und nachhaltig helfen zu wollen.
Im Namen von über 330 Salzburger Ärztinnen und Ärzten fordere ich Sie, Herr Ing. Lugner, hiermit öffentlich auf, sich von diesem Projekt zu distanzieren und appelliere an Ihr Verantwortungsbewusstsein als ehemaliger Bundespräsidentschaftskandidat, sich stattdessen für eine lebensbejahende Beratung und Unterstützung von Frauen / Paaren in Notsituationen einzusetzen!
Hochachtungsvoll
Dr. Florian Baumgartner
für das Salzburger Ärzteforum für das Leben
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